Selfpublishing: Warum Amazon es einem zu leicht macht

Wie sehr viele Selfpublisher vor mir, habe ich den bequemsten Weg der Veröffentlichung gewählt: über Amazon. Was im ersten Moment nach einer tollen, einfachen Möglichkeit klingt, kann später zu einigen Nachteilen führen. Die meisten Nachteile waren mir zum Glück vorher bekannt und ich konnte mich darauf einstellen oder einen anderen Weg wählen – aber eine Sache habe ich übersehen.

Amazon macht es einem leicht. Zu leicht. Mit kindle Create erstellt man sein eBook, für das Taschenbuch lädt man ein PDF hoch, dann noch schnell das Cover mit dem Cover Creator erstellen und schwupps ist man Autor. Und die ISBN? Die bekommt man gratis!

So schnell und leicht ging es bei mir zwar nicht – ich habe ewig gebraucht, bis alles perfekt war, das Cover, der Buchsatz, die Detailseite. Als ich dann dabei war, das Buch zu veröffentlichen, kam mir die Sache mit der kostenlosen ISBN, die Amazon einem sofort zuteilt, sehr gelegen. Ich hatte keine Lust, mich mit noch mehr zu beschäftigen, zu erwägen, ob eine kostenlose ISBN von Amazon Nachteile haben könnte und was ich tun muss, wenn ich eine eigene ISBN beantragen möchte. Ich hatte tagelang an anderen Details herumgeknabbert und ich wollte endlich veröffentlichen. Gut, dass es bei Amazon eine kostenlose ISBN gibt, dachte ich. Falsch gedacht.

Was ist der Nachteil an einer kostenlosen ISBN von Amazon?

Wenn ein Buch eine Amazon-ISBN trägt, kann es nicht über einen anderen Dienstleister, wie z.B. BoD, vertrieben werden. Damit verbaut man sich sämtliche Kanäle wie Thalia, Hugendubel und den gesamten Buchmarkt, ausgenommen Amazon. Für manche Genres und Autoren mag das kein Problem sein, ich plante jedoch, das Buch früher oder später überall verfügbar zu machen. Hätte ich eine eigene ISBN zuvor gekauft und bei Amazon angegeben, hätte ich damit keine Probleme gehabt.

Anmerkung: Über Books on Demand hätte ich das Buch dennoch nicht zeitgleich mit Amazon veröffentlichen können, denn das ist seitens BoD verboten. Aber es gibt andere Wege.

Ist ein Buch mit Amazon-ISBN nun für immer an Amazon gebunden?

Nein, zum Glück nicht. Allerdings ist die Lösung in diesem Fall sehr umständlich. Man muss die Veröffentlichung des Buches rückgängig machen und es dann mit einer neuen ISBN wieder veröffentlichen. Der Nachteil: Damit sind wahrscheinlich die Rezensionen auf Amazon weg.

Und was hat Amazon sonst noch so für Nachteile?

  • Die Druckqualität: Die Druckqualität lässt leider sehr zu wünschen übrig. Jedes Exemplar sieht irgendwie anders aus, bei einem war sogar der Abstand zwischen Text und Rand bei linker und rechter Seite unterschiedlich! Sehr ärgerlich. Aber um es positiv zu betrachten: Damit ist wirklich jedes Buch ein Unikat …
  • wenig Vertriebswege: Veröffentlicht man sein Buch bei Amazon, kann es erstmal nur bei Amazon gekauft werden. Das ist bei Anbietern wie BoD anders – dort ist es fast überall erhältlich. Nun gibt es die Möglichkeit, den „externen Vertrieb“ anzuwählen, wodurch das Buch auch im restlichen Buchhandel erhältlich wird. Aber 1. dauert das mehrere Wochen (6-8 habe ich gehört) und 2. verringern sich die Tantiemen dabei auf 40%. Von diesen 40% werden dann noch die Druckkosten abgezogen. Bei mir blieben danach etwa 10 ct Tantiemen pro Buch übrig. Absolut lächerlich.
  • geringer Anspruch an Bücher: Dadurch, dass wirklich jeder auf Amazon ein Buch hochladen kann, egal wie viele Rechtschreibfehler es enthält, egal wie amateurhaft das Cover ist, wird Amazon von Büchern regelrecht überflutet. Für den Leser gibt es kaum Möglichkeiten, zwischen qualitativ hochwertigen und minderwertigen Büchern zu unterscheiden. Die „guten“ Bücher gehen einfach unter. Dabei geht es mir nicht um subjektive Faktoren wie Genre oder Inhalt, sondern um objektive: Buchsatz, Rechtschreibung und Grammatik, Cover. Es ist schade, dass das Niveau von SP-Büchern so niedrig ist, denn darunter leidet der allgemeine Ruf von Selfpublishern.

Gibt es auch was Positives zu berichten?

Ja, das gibt es! Amazon bietet auch einige Vorteile, zum Beispiel:

  • Der Preis: Die Druckkosten sind bei Amazon etwa halb so hoch wie bei anderen Anbietern – zumindest meiner Erfahrung nach. Veröffentlicht man sein Buch über Amazon, kann man damit relativ günstig Exemplare für Blogger, Gewinnspiele oder zum Versenden an Buchläden drucken.
  • Die Vielzahl an Formaten: Bei Amazon kann man zwischen sehr vielen Taschenbuch-Formaten wählen. Aber Vorsicht: Nicht alle Formate gibt es auch bei anderen Anbietern, wie BoD. Das wird dann relevant, wenn man sein Buch sowohl über Amazon als auch über BoD vertreiben und ein einheitliches Printformat möchte.
  • Außerdem ist die Veröffentlichung über Amazon kostenlos. Bei BoD zahlt man z.B. 19€, bei tredition 149€. Aber dafür bekommt man eben auch weniger und ist an Amazon gebunden.

Fazit

Die Buchveröffentlichung über Amazon macht Sinn, wenn man vor allem mit eBook-Verkäufen rechnet. Die kostenlosen Werbeaktionen sind gegenüber anderen eBook-Anbietern definitiv ein Vorteil. Was Taschenbücher angeht, sind Druckqualität und Vertrieb bei Amazon ungenügend. Allerdings sind die geringen Druckkosten ein Bonus, denn so kann man als Autor jederzeit preisgünstige Exemplare bestellen. Für die Zusammenarbeit mit Bloggern oder Buchläden ideal.

Ich werde mich in den kommenden Wochen dennoch nach Alternativen umsehen. Es gibt zwar kein All-Inclusive-Paket, bei dem man sich das Beste aus Amazon, BoD und Co. herauspicken kann, aber ich hoffe dennoch auf eine bessere Lösung.

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